BERTRAND FREIESLEBEN - MIT KONZEPT ZUR PORTRAITSKULPTUR

ICH LIEBE ES

Menschen zu treffen, mich mit ihnen auszutauschen, sie dabei zu beobachten und zu porträtieren. Genial intensive Portraitskulpturen sollen unsere Begegnungen dokumentieren. Und noch schöner ist es, wenn noch andere Menschen dabei sind. So wird daraus eine Performance, und die kann für uns alle ein Ereignis sein. Darum geht es.
Aber von vorn:

 

KONZEPT & KONTEXT DER GEGENWARTSKUNST

Zunächst braucht Portraitbildhauerei heute ein Konzept, um im Kontext der Gegenwartskunst einen berechtigten Platz zu haben. Und den muss sie sich verdienen. Anders herum sollten wir heutigen Künstler uns fragen, ob wir mit unserer Sprache die Menschen erreichen, denn die wollen wir gewinnen.

 

MISSION POP

Diese Aspekte bilden den Hintergrund für meine künstlerischen Ziele, Portraitskulptur in ihrem Wesen zu einer heutigen Blüte zu führen und eine echte Pop-Art anzusteuern, die hochwertig und möglichst allen unmittelbar eingängig ist

 

NEUBEGINN DER PORTRAITBILDHAUEREI

Zum Nippes verramscht, akademisch verflacht und ideologisch missbraucht, erwartet niemand mehr etwas von der Portraitbildhauerei. Das will ich ändern. Also gehe ich ran an die wunden Punkte und kümmere mich darum, was Portraiskulptur heute sein könnte.

 

THE SUBLIME IS INSIDE

Meine Modelle möchten sehen, wie ich sie sehe. Unmittelbar und intellektuell zeigen sie Neugier und Freude. Aber wie weit öffnen sie sich? Wer bin ich für sie? Ich bin ehrlich interessiert aber auch nicht zimperlich. Wir alle haben unsere Gründe und darin unser Recht so zu sein, wie wir sind. Deswegen möchte ich ein Chronist sein. Ich möchte wissen und spürbar machen, wer die Menschen sind, von deren Taten für unser Leben so viel abhängt. Ohne Vorbehalte fange ich an und suche die Spur des unvermutet Vertrauten, denn da erkennen wir in ihnen das Kind.

 

POP-ART-POTENTIAL

Plastische Formen sind eingängig wie Musik: sie berühren uns sinnlich intuitiv bis in die kleinsten Nuancen. Ein optimales Pop-Art-Medium, weil Kennerschaft nicht nötig ist und von selbst wächst.

 

PLASTISCHE FORM ALS SPRACHE

Wie funktioniert diese abstrakte Sprache? WIE sprechen Formen uns an? Wie baut sie die Natur? Wie wir sie am Computer? Es geht um Konstruktion. Da forsche ich mit einem wunderbaren Team vom SCAI-Fraunhofer-Institut an der Geometrie natürlicher Tragwerke. Dann geht es um ästhetische Wirkung und das kompositorische Wissen der Künstlerkollegen durch die Jahrtausende als Basis für meine großen Pläne.

 

DUCHAMP RELOADED

Duchamp nennt das Verhältnis von angestrebter zu erzielter Wirkung eines Kunstwerkes den „Kunstkoeffizienten“. Der sollte bei der individuellen Sprachfindung im Vordergrund stehen. Wir wissen alle, dass alles seine Bedeutungen in sich trägt und wir diese als Versatzstücke in einem neuen Kontext zu neuen Bedeutungen zusammenbasteln. Es ist ermüdend platt und altmodisch. Wir sollten selbstkritisch mit unserer Sprache sein und uns darum kümmern allgemeinverständlich zu sein. Daran krankt der ganze Zirkus. Duchamp und Marx teilen sich das Schicksal einer folgenreichen ideologischen Fehlinterpretation.

 

 

Das Buch Köpfe von Bertrand Freiesleben

Bilderstrecken über Begegnungen, Köpfe & Form, Forschung