Von Concept-Art …

Stempeldruck des World Freelife Found
Stempeldruck des World Freelife Found

Die Dinge wieder wirklich anzusehen, begann ich, weil ich Erkenntnis suchte und mein damaliger Weg dazu nicht taugte. Als Concept-Artist war ich der Überzeugung, dass eine Arbeit nicht ausgeführt werden müsse, wenn die Idee davon schon dieselben Assoziationen auslösen konnte. Also notierte ich alle meine Ideen auf den immer gleichen Postkarten unter der Marke  WORLD FREELIFE FOUND.

Mit verfremdeten Zitaten, Wortspielen und humorvollen Ideen konterkarierte ich alle möglichen Mechanismen um Wahrnehmung, Künstler-Kunst-Betrachter-Verhältnis, den Markt, die Suche nach Freiheit, Sehnsucht nach Schönheit ... Auf meiner ersten Ausstellung in New York erregte ich damit das Interesse einer Gruppe von Künstlern, die sich um den AC-Project-Room, PS 1 und Sandra Gering scharte und in Galerien wie Pat Hearn, American Fine Arts, Nicole Klagsbrun, feature, Drawing-Center oder Blum Hellman Warehouse drängte. Wir bestückten Off-Ausstellungen in SoHo u. a. das bekannt gewordene „House of Values“ von Robert Mahoney und Kathleen Cullen.

Als 23-Jähriger war ich jedoch noch sehr auf der Suche und absolut in meinem Denken. Ich stellte fest, dass Concept-Art oft nur nicht wiederholbare Aha-Effekte erzeugt, dass die Arbeiten also in der Betrachtung auf Dauer nicht wachsen. Das sollte aber sein ... Dann missfiel mir die Ironie, die wir alle benutzten. Ironie hat etwas von Besserwisserei, ohne eine Alternative anbieten zu wollen. Das war mir peinlich und sollte anders werden ... Dann war es mir zuwider, die Dinge des Lebens mit Ideen und „funny objects“ abzuhandeln. So wird man dem Leben nicht gerecht.

Nachdenken

Dazu kam, dass ich mich zu dieser Zeit viel mit Thomas Mann beschäftigte. Bei ihm sah ich eine kompositorische Verdichtung des Inhalts zu einem mir nicht voll erschließbar komplexen Gehalt, der jedem Kapitel, jedem Absatz darin und jedem Satz in diesem seine Zuständigkeit gab; wie eine Zelle in einem Organismus. – Diese Art Qualität ist in Concept-Art nicht angelegt. Damit musste Schluss sein. In Anlehnung an Beuys‘ Kapital entwickelte ich eine ähnlich komplexe Installation zu unserer Erkenntnisfähigkeit, die ich THE SUBLIME IS INSIDE nannte. Mit diesem Werk schloss ich wie mit einer Tür einen Raum hinter mir, um einen Neuen zu betreten.

Monate wusste ich nicht, was werden sollte. Mir stand alles auf zu wackeligen Beinen. Concept-Art sowieso aber auch mein eigener Ansatz; und der Ansatz bestimmt das Ergebnis ... Auf jeden Fall begann ich erst einmal das Studium der Kunstgeschichte und Philosophie, um meine Basis auszubauen. Bei der Kernfrage half das unmittelbar nicht. Ich suchte das Leben zu fassen, wie ich es spüre.

Neu denken

Also sah ich mir die Menschen genauer an und entdeckte so viel, dass ich anfing KÖPFE zu modellieren. Mir wurde es so wichtig, das Leben treffend zu fassen, diesem gerecht zu werden, dass mir die Modelle plötzlich ganz bedeutend und neuartig erschienen. Seitdem widme ich mich und trete hinter die Aufgabe zurück. Ohne diesen Prozess gelingt es mir nicht, in den Ergebnissen spürbar zu machen, was ich am Leben liebe, damit ich am Ende sagen kann: „Gut, dass es diese Arbeit gibt.“